Die Geschichte der Strichcodes

Die Geschichte der Strichcodes von den Anfängen bis zur Standardisierung des UPC (Universal Product Code).
 

Die ersten Patente...

Eines der ersten Patente, welches in die Nähe des Strichcode-Konzeptes eingereiht werden kann, wurde im Jahre 1934 J.T. Kermode zugewiesen. Das Patent beschreibt einen Kartensortierer, der mit einem Arrangement von vier parallelen Linien als Identifikationsschema arbeitete. Im Jahre 1935 erhielt D. A. Young ein Patent für eine ähnliche Sortiermaschine, die über eine Anordnung von optischen Markierungen die Karten identifizierte.

 
 

Von den Wurzeln...

1932 wurde ein ambitioniertes Projekt von einer kleinen Gruppe Studenten der Harvard University gestartet. Unter Anführung von Wallace Flint, Sohn eines Lebensmittel-Supermarktbesitzers, wurde ein vollautomatisches Auslieferungssystem entwickelt, wo Kunden aus einem Katalog auswählen und über den Produkten zugeordnete Lochkarten vollautomatisch per Fließband mit Abrechnung und Lagerbestandsaktualisierung bis zur Kasse beliefert wurden. Das Konzept war wirtschaftlich nicht durchführbar, jedoch wurden hier erstmals die Vorteile einer automatisierten Abwicklung im Einzelhandel (mittels Produktcodierung) umfassend beschrieben. Vierzig Jahre später war Flint Vizepräsident der nationalen Vereinigung der Lebensmittelketten und wirkte aktiv mit bei den Normierungsbestrebungen die zum UPC Code führten.

In den späten 1940 erforschten Norman Joseph Woodland und Bernard Silver die technischen Methoden, um Preise von Lebensmittel-Einheiten automatisch an der Kasse einzulesen. Diese Anstrengungen führten zum 1949 zu einem U.S. Patent.Dieses Woodland und Silver Patent beschrieb ein kreisförmiges Muster mit einem zentralen Anker-Punkt, öfter bezeichnet als Bull’s Eye Code. Die konzentrischen Ringe um den Ankerpunkt sind nichts anderes als Balken mit definierten Abständen in kreisförmiger Form – die erste Form unserer bekannten „Barcodes“. Mit dieser ersten Symbologie, die aus 4 weißen Linien auf dunklem Hintergrund basierte, waren 7 verschiedene Artikel klassifizierbar. Erweiterte man das System auf 10 Linien, konnte man schon 1023 verschiedene Artikel kodieren. Die Technologie und der Einzelhandel waren aber noch nicht für Strichcodes bereit. Zwanzig Jahre später war Joe Woodland, inzwischen IBM Ingenieur, in jenem Team dabei, welches den Vorläufer des U.P.C. Strichcodes entwickelte. 1992 wurde ihm von Präsident George Bush die „National Medal of Technology“ verliehen. Weder Silver noch Woodland verdienten viel Geld aus ihrer Idee, welche ein Billionen-Dollar-Geschäft startete.

 
 

...über verschiedene Ideen...

Zwischen Ende 1950 und Anfang 1960 propagierten verschiedene Erfinder die Konstruktion von speziell entworfenen „human-readable“ Zeichen, die vom automatischen Scanner als Strichcode lesbar sein, aber dem menschlichen Auge jedoch als Buchstabe oder Ziffer erscheinen sollten. Ein Erfinder dieser Strömung war Girard Feissel, der 1959 ein U.S. Patent anmeldete, das jede der Ziffern 0 bis 9 durch sieben parallele Balken darstellt. Unglücklicherweise waren solche Anordnungen schwerer für die Maschine zu lesen als „echter“ Strichcode und für den Menschen noch schwerer als Ziffern zu erkennen.

 
 

... und vielen Anstrengungen ...

Ernsthafte Bemühungen, um einen Standard für die automatische Abwicklung an Supermarkt-Kassen zu schaffen, begannen 1966. Die NAFC (Vereinigung der Lebensmittel-Handelsketten) rief die Hersteller dazu auf, ein System für die Automatisierung des „Checkout“-Prozesses an Supermarktkassen zu entwickeln. RCA entwickelte eine „Bull’s Eye“ Symbologie und Scanner dazu, welche in einem Kroger-Supermarkt in Cincinnati für eine 18-monatige Testperiode ab 1972 eingesetzt wurden. Dieses Testprojekt brachte viele brauchbare Daten für die Kosten/Nutzen-Analyse, konnte sich selber aber aufgrund von Problemen nicht etablieren.
1969 wurde die Firma Logicon, Inc. von der NAFC gebeten, einen Vorschlag für ein industrieweites Barcodesystem zu erarbeiten. Das Ergebnis war Part1 and 2 des Universal Grocery Products Identification Code (UGPIC) im Sommer 1970.

Basierend auf den Empfehlungen des Logicon Reports, war Mitte 1970 ein ad hoc Komitee der Lebensmittelindustrie gegründet worden - unter Führung von R. Bert Gookin – um einen Code als Industriestandard auszuwählen. Dieses UGPCC Komitee (Uniform Grocery Product Code Council) erarbeitete schrittweise Richtlinien und eine Auswahl an Symbologien für diesen Zweck. Dabei wurden Vorschläge von Computer- und Kassensystem-Herstellern miteinbezogen. Sieben gänzlich unterschiedliche Codierungsmethoden (Symbologien) kamen als Vorschläge in Betracht (siehe Abbildung). Es begann eine massive Untersuchung der am besten geeigneten Symbologie, beinhaltend Labortests am Battelle Memorial Institut, Drucktoleranz-Tests unter Mithilfe der Graphic Arts Technical Foundation, Tests von mitwirkenden Lebensmittelherstellern und Probeläufe an kompletten Kassenstationen (POS) im Supermarkt.

 
 

... bis zu U.P.C. – dem neuen Industriestandard

Drei Jahre später, am 3. April 1973 mündeten diese Anstrengungen in der Wahl des U.P.C. (Universal Product Code) als gemeinsamen Industriestandard. Dieser letztendlich ausgewählt Code orientierte sich am Vorschlag von IBM – sein Entwickler war George J. Laurer. Der rasche Erfolg des UPC Codes in US- und kanadischen Supermärkten förderte auch ausländisches, insbesondere europäisches Interesse an diesem System. Im Dezember 1976 wurde eine ähnliche Variante als EAN (European Article Numbering) übernommen - ebenfalls vom gleichen Entwickler. Die weitere Vereinheitlichung sieht vor, dass bis zum Jahr 2005 alle Lesesysteme in Amerika neben UPC auch den EAN-13 Code erkennen können.

 
 

Quellenangaben und Links

THE BAR CODE BOOK, by Roger C. Palmer (3rd Edition, Helmers Publishing, Inc.)
The "Bar Code History Page" - Barcode1 by Russ Adams
Development of the UPC Symbol - George J. Laurer